28. bis 33. Sonntag im Jahreskreis

Lesejahr B

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  28. Sonntag im Jahreskreis B

Liturgische Texte:
Mk 10,17-30: Von Reichtum und Nachfolge / 1. Lesung, Weish 7,7-11: Die Gottesgabe der Weisheit

„Ich bin doch nicht blöd“, so heißt der Werbeslogan eines Elektronikwarenkette. Soll wohl heißen: Kaufe in unseren Geschäften, sonst wirst du übers Ohr gehauen. Schlau ist also, wer bei uns kauft; blöd, wer es woanders tut. Diese Aussage ist natürlich nur ein Werbespruch und darum nicht ernst zu nehmen. Ich jedenfalls bin doch nicht so blöd, diesen Spruch zu glauben. Wenn ich ein elektronisches Gerät brauche, vergleiche ich die Preise und kaufe da, wo es günstig ist und der Service stimmt. Interessanterweise bin ich selten in einem „Ich bin doch nicht blöd“-Laden gelandet. Aber das ist eine andere Sache.

Dieses „Ich bin doch nicht blöd“ ist aber irgendwie bezeichnend für eine ganze Einstellung. Wir Menschen von heute sind nicht mehr so blöd, uns übers Ohr hauen zu lassen. Davon sind wir wenigstens überzeugt. Uns macht keiner so schnell etwas vor. Dafür sind wir zu aufgeklärt, zu gut informiert, haben zu viel Hintergrundwissen und überhaupt einen gesunden Menschenverstand.

Aber haben Sie einmal die Sendung „Verstehen Sie Spaß?“ angeschaut? Da können Sie sehen, wie leicht sich Menschen an der Nase herumführen lassen. Man kann ihnen die verrücktesten Dinge erzählen; wenn es nur ernsthaft genug von einem Mann in Anzug und Krawatte rübergebracht wird, glauben sie es sofort. Es könnte sein, dass auch wir am Ende unseres Lebens gefragt werden: „Verstehen Sie Spaß?“ Dann würde uns erklärt, dass man sich mit uns einen Scherz erlaubt hat. Die Versprechungen von Glück und Wohlstand, die der Reichtum, der Besitz und die Macht über andere in dieser Welt gegeben hätten, das wäre nur ein Spiel gewesen. Natürlich ist die Erfüllung der menschlichen Sehnsucht nur durch die Verbindung mit Gott zu finden. Wer sich darum gemüht hat, der wird länger lachen können als wozu ein müder Scherz Grund gibt.

„Ich bin doch nicht blöd“, nach diesem Motto zu urteilen, ist der Mensch, von dem wir in der Lesung aus dem Buch der Weisheit gehört haben, auf jeden Fall blöd. Denn er hat die Möglichkeit gehabt, Karriere zu machen, und seine Macht auszuweiten und hat sie nicht genutzt. Er hätte reicher werden und Diamanten besitzen können und hat die Gelegenheit dazu verstreichen lassen. Ihm wurde Gold und Silber dargeboten, und er hat seinen Blick davon nicht gefangen nehmen lassen. Ja sogar seine eigene Gesundheit und körperliche Fitness hat er nicht in den Vordergrund gestellt. „Schön blöd!“, würde man im Sinne der heutigen Marketingstrategen sagen. Wer das Leben und seine Möglichkeiten nicht in allem ausnutzt, der ist selber schuld!

Lesen wir die alttestamentliche Lesung zu Ende, so erfahren wir, dass derjenige, von dem da die Rede ist, keineswegs blöd war. Ganz im Gegenteil! Er hat nicht nach all dem äußeren Schein gesucht, weil er etwas viel Verlässlicheres gefunden hat. Er hat nicht Geld und Ruhm und Ehre bei den Menschen zu suchen brauchen, weil er Anerkennung, Sicherheit und Geborgenheit in der Beziehung zu Gott gefunden hat. Die Energie, die andere dahinein setzen, ihre Karriere zu planen und Strategien zu finden, wie sie die Konkurrenten ausschalten können, hat er dazu genutzt, sich ganz auf Gott hin auszurichten, zu ihm zu beten, seine Botschaft zu studieren und die tiefere Bedeutung seiner Gebote zu erkennen. Während andere schlaflose Nächte damit verbringen, sich neue Werbesprüche auszudenken, um Verkauf und Gewinn zu steigern, hat er nächtelang über den Sinn und den Auftrag seines Lebens meditiert und nachgespürt, wo Gott ihm den Tag über begegnet war. Während andere schuften und ihr hat verdientes Geld wieder ausgeben, um ihren Körper so lange zu bearbeiten, bis er den gesellschaftlichen Vorgaben entspricht, hat er aus seiner Verbindung zu Gott tiefe Zufriedenheit erfahren und feiert mit strahlendem Gesicht, weil Gott die Menschen zu seinen Freunden nimmt.

Es heißt im letzten Vers der Lesung: „Zugleich mit der Weisheit kam alles Gute zu mir, unzählbare Reichtümer waren in ihren Händen.“ (Weish 7,11) Und ein paar Zeilen weiter: „Ein unerschöpflicher Schatz ist die Weisheit für die Menschen; alle, die ihn erwerben, erlangen die Freundschaft Gottes.“ (V. 14ab) Wer so etwas sagen kann, der ist doch nicht blöd, nein, der ist zufrieden, der ist glücklich, der ist weise.

Vielleicht wird es noch klarer, wenn wir auf das Evangelium schauen. Da heißt es: „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“ (Mk 10,28) Manchmal wird das Nadelöhr gedeutet als das kleinere und enge Nebentor eines großen Stadttores. Ein großes Lasttier wie das Kamel konnte dort nicht leicht hindurch kommen, es sei denn, man lud die ganze Last, mit der es bepackt war, ab. Der Vers kann aber durchaus wörtlich gemeint sein wie uns eine überlieferte Redewendung aus dem 4. Jh. deutlich macht. Da heißt es: Gott spricht: „Macht mir eine Öffnung der Buße so groß wie ein Nadelöhr, so will ich euch Tore öffnen, in die Wagen und Karren hineinkönnen.“ (Mertens, 1984: 334f)

Demnach würde also ein kleines Zeichen der Offenheit Gott gegenüber reichen, ein bewusster Akt, dass du es ernst mit ihm meinst, und Gott wird dich dahin führen, dass du den ganzen Segen, den Reichtum und die Fülle des Lebens aus ihm erfahren kannst. Jesus wirbt darum, dass Sie das schaffen, was der junge und reiche Mann aus dem Evangelium zumindest zu diesem Zeitpunkt noch nicht konnte: Dass Sie einen Schritt aus den weltlichen Absicherungen heraus tun und bewusst auf Jesus zugehen, mit der Bereitschaft, von ihm zu lernen. Glauben Sie Jesus, der sagt: „Für Gott ist alles möglich.“

Beten Sie jetzt zu Gott in ihrem tiefsten Anliegen, mit so viel Sehnsucht, wie sie nur im Herzen haben. Geben Sie Gott jetzt eine Chance und öffnen Sie Ihr Herz vielleicht auch nur so weit, wie ein Nadelöhr groß ist. Gott wird Sie erhören! Für ihn ist nichts unmöglich, er wird Ihnen Schritt für Schritt die Angst nehmen können, so dass sie sich immer mehr auf ihn einlassen können und so Leben von seinem Leben empfangen.

 

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  29. Sonntag im Jahreskreis B

Liturgische Texte:
Mk 10,35-45: Vom Herrschen und vom Dienen / 1. Lesung, Jes 53,10-11: Das vierte Lied vom Gottesknecht

„Erlösung“ – Ein Fall für den Antiquitätenhandel?

„Mich braucht niemand zu erlösen!“, das kann man heute als Reaktion hören, wenn man Menschen mit der Botschaft von Jesus Christus kommt. „Was soll das heißen, Jesus sei gekommen, sein Leben als Lösegeld für viele hinzugeben? Dieses Sprechen von Schuld und von Sühne-Leisten, das ist doch antiquiert, oder? - Mag sein, dass die Sprache, in der wir in der Kirche vom Geheimnis der Erlösung in Jesus Christus sprechen, viele Menschen nicht mehr erreicht, das Thema als solches ist jedoch genauso aktuell wie zu allen Zeiten, in denen Menschen sich an Menschen schuldig machen.

Nehmen wir den Manager aus der Chefetage eines bedeutenden Unternehmens. Das ist so jemand, der wahrscheinlich sagen würde: „Erlösung? Nein danke, das brauche ich nicht!“ Aber da kommen die Medien plötzlich der Unternehmensführung auf die Schliche und bringen den Firmennamen in Zusammenhang mit Bestechung und schwarzen Kassen in die Schlagzeilen. Sie sollen mal sehen, wie schnell sich unser Manager einen „Erlöser“ sucht, in diesem Fall also einen, der ihn aus der heiklen Situation heraus rettet, einen, der die Schuld auf sich nimmt, damit die anderen ungeschoren davon kommen. Es ist klar, es wird ein Bauernopfer geben müssen, ein Angestellter von niedrigerem Rang muss vor der Öffentlichkeit die Schuld auf sich nehmen, damit die Weste der anderen rein gewaschen wird und sie ihren Posten behalten können. - Und dieser Manager wollte uns weismachen, dass er keine Erlösung braucht!

Gott geht andere Wege als wir

Nun ist es aber so: der Weg, auf dem wir Erlösung aus heiklen Situationen suchen, in die wir uns hineinmanövriert haben, ist grundlegend verschieden von dem Weg, auf dem Christus uns Erlösung anbietet. Unser Weg der Erlösung ist unehrlich, wir schieben gerne anderen die Schuld in die Schuhe, lassen sie unsere Fehler ausbaden, fliehen vor der eigenen Verantwortung für Fehlentscheidungen. Dadurch wird nichts besser. Unsere Weste wird nicht wirklich wieder sauber. Im Gegenteil. Auf den Schaden, der durch unseren Fehler entstanden ist, häufen wir weiteren Schaden, indem wir einen unschuldigen bzw. weniger beteiligten Menschen für unser Vergehen büßen lassen.

Offensichtlich ist das Themenfeld Sünde, Sühne und Erlösung auch heute sehr aktuell, es kommt allerdings in anderem Vokabular daher: In die Schlagzeilen geraten, ein Bauernopfer bringen, ungeschoren davon kommen oder ähnlich.

Schauen wir weiter auf die Begebenheit, die uns im Evangelium erzählt wird. Die zwei Brüder Jakobus und Johannes träumen von Erfolg und Karriere, von Reichtum und Macht. Ich glaube, wir können sie gut verstehen. Wir wünschen uns so sehr, den Erfahrungen von Mangel und Schmerz, von Leid und Ohnmacht endlich zu entkommen. Oh, die beiden wissen, dass sie sich mit dieser Bitte bei ihren Kollegen unbeliebt machen, aber was hilft’s? An den Seiten des künftigen Herrschers, den sie in Jesus sehen, gibt es eben nur zwei Plätze. Und bevor die anderen dort sitzen, sichern sie sich lieber selbst die Ehrenposten.

Ja, das ist das Ansinnen der Menschen. Wir wollen mächtig sein, uns soll nichts fehlen, lieber, dass wir über andere bestimmen, als dass wir von ihnen bestimmt werden, keiner soll uns kritisieren oder zur Rechenschaft ziehen können. Über alle Zweifel erhaben sein, ach, das wäre schön! Und es gibt tatsächlich auch in unserer modernen Zeit Politiker, die es schaffen, sich durch geschickte Gesetzesveränderungen und Beeinflussung der öffentlichen Meinung auf dem Weg der Medien einen fast unantastbaren Spielraum für ihre eigene Willkür zu schaffen.

Der klägliche Versuch, sich selbst ins rechte Licht zu rücken

Aber Vorsicht! Das hat mit dem wahren Weg des Lebens, den Gott uns in Jesus Christus aufzeigt, überhaupt nichts zu tun. Die Menschen suchen, sich selbst zu rechtfertigen, sich zu verteidigen und ins gute Licht zu rücken. Genau das aber ist die Quelle, aus der sich der Teufelskreis speist, der die Welt Jahr und Tag in Unheil und Leid gefangen hält. Das Wasser, das diese Tretmühle antreibt, ist die Angst.

Pilatus hat sich vor der Verurteilung Jesu, die er ausgesprochen hat, obwohl er keine Schuld an ihm finden konnte, demonstrativ die Hände gewaschen. Dadurch versuchte er, die Öffentlichkeit zu manipulieren. Er wollte ihr und auch sich selbst weiß machen, dass er keine Schuld an dem trägt, was mit Jesus geschieht. Aus Angst vor der Menge und um seinen Posten nicht zu verlieren, hat er die lebendige Wahrheit ans Messer geliefert. Seine Weste ist blutbefleckt. Er hat der Angst gedient und nicht der Wahrheit, er hat seine Macht missbraucht.

Jesus hat seine Hände nicht in Unschuld gewaschen, obwohl Er es wirklich hätte tun können. Nein, er hat sie vielmehr ans Kreuz nageln lassen von Menschen, die in ihrer Angst gefangen waren. Was aber soll das für einen Sinn haben? - An ihm wird deutlich, was durch unser Selbstgerechtigkeitsstreben passiert, nämlich dass die Wahrheit keinen Platz mehr hat und den Kürzeren zieht. Doch so zerbricht Jesus den Teufelskreis von Schuld, die doch nur wieder neue Schuld hervorruft. Jesus vergilt nicht das Böse des Menschen mit Bösem, sondern mit Gutem. Darin zeigt sich seine wirklich göttliche Macht, auch wenn sie in den Augen derer, die nur auf das Äußere sehen, kläglich und ohnmächtig erscheint.

Mit Christus wird eine Welt des Miteinanders möglich

Wie ist das jetzt mit der Erlösung in Jesus Christus? Wenn du einen Fehler gemacht hast, dann sagt dir Jesus Christus am Kreuz: „Verurteile dich nicht dafür, denn auch ich verurteile dich nicht! Es ist nicht in Ordnung, was du getan hast, aber du fällst auch damit nicht aus meiner Liebe heraus. Ich nehme deine Schuld mit auf mein Kreuz. Hab den Mut, dir dein Versagen einzugestehen, auch wenn es schwierig ist. Es mag dir wie die größte Ohnmacht erscheinen. Aber gerade dann lässt du meine göttliche Macht zur Wirkung kommen, wenn du meine Vergebung annimmst. Weil ich auf deiner Seite stehe, kannst du die Verantwortung für deinen Fehler übernehmen und brauchst nicht andere dafür haftbar zu machen.“

Die Erlösung in Jesus ist keine bequeme Sessellösung, so als bräuchten wir zurückgelehnt nur noch Ja und Amen dazu zu sprechen. So wie Jesus aus der Verbindung mit dem Vater die Kraft gezogen hat, Böses nicht mit Bösem vergelten zu müssen, so sollen auch wir ihm gleich tun. In den kleinen wie in den großen Situationen unseres Lebens sollen wir vertrauende und liebende Menschen sein, auch wenn wir uns damit manchmal zum Sklaven und Diener anderer machen. Darin liegt die wahre Größer derer, die sich Kinder Gottes nennen, dass sie weniger der eigenen Angst glauben, als vielmehr der Errettung in Jesus Christus, der aus jeder aussichtslos erscheinenden Situation eine Situation des Heils machen kann.

 

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  32. Sonntag im Jahreskreis B

Liturgischer Text:
Mk 12,38-44: Worte gegen die Schriftgelehrten / Das Opfer der Witwe

Wie viel Engagement darf mein Glaube mich kosten?

Unter uns, die wir hier zum Gottesdienst versammelt sind, hat wahrscheinlich jede und jeder ein ziemlich individuelles Maß, mit wie viel Zeit, Energie und Herz sie und er sich für ihre/seine Glaubensüberzeugungen einsetzt. Das hängt stark damit zusammen, wie wichtig mir der Glaube für mein Leben ist; wie bewusst ich die Bedeutung des Glaubens für ein menschenwürdigeres Zusammenleben in der Welt wahrnehme; wie viel Angst auf der einen und wie viel Mut und Entschlossenheit auf der anderen Seite ich mitbringe.

Im Evangelium möchte ich einmal verschiedene Personengruppen benennen, die einen je unterschiedlichen Grad an Engagement erkennen lassen. Es geht dabei nicht darum, Menschen in Schubladen einzuteilen oder zu beurteilen. Auch sind die Gruppen nicht auf heutige Berufs- oder soziale Statusklassen übertragbar. Aber sie können für uns zu vier Deutungsmustern werden, auf deren Hintergrund wir uns einmal unsere eigene Realität anschauen.

Zunächst ist die Rede von den Schriftgelehrten. Es sind Menschen, die sich viel mit Religion und Glauben beschäftigen. Sie wollen auf Nummer sicher gehen und studieren viel, um alles zu verstehen. Mit offenen Fragen zu leben, fällt ihnen schwer; sie brauchen klare Antworten und festgelegte Strukturen. Sie sehen sich als die, die anderen etwas über Gott und die Welt zu sagen haben und erwarten als Gegenleistung dafür Respekt und Anerkennung. Ihre Stärke ist, dass sie viel über Gott und Religion wissen. Ihre Schwäche ist, dass sie das mit Glauben verwechseln und sich leicht selbst in den Mittelpunkt stellen.

Die zweite Gruppe sehe ich in den Menschen, die denen der ersten Gruppe alle Ehre und allen Respekt zollen. Es sind Menschen, die sich von äußeren Feierlichkeiten und dargestelltem Glanz beeindrucken lassen. Neugier und Unternehmungslust treiben sie zu Gottesdienst und religiösen Ereignissen. Es ist nicht so, dass sie davon irgendwelche Wirkungen erwarten würden, es reicht schon alleine, dass sie dabei sein können. Die Stärke dieser Menschen ist ihre Aufmerksamkeit für das, was um sie herum geschieht und ihre Toleranz. Ihre Schwäche ist, dass sie sich damit begnügen, zu bewundern und zu staunen, sich aber für wirkliche Begeisterung und Engagement verschließen.

Zur dritten Gruppe gehören diejenigen, die bereit sind, Gott und den Mitmenschen etwas von dem, was sie haben, abzugeben. Manche tun es aus einer Gewissensverpflichtung heraus, weil sie selbst wohlhabender sind und die Bedürfnisse anderer sehen. Manche tun es aus Dankbarkeit, weil sie überzeugt sind, dass ihnen Erfolg und Glück nur durch die Hilfe und den Segen Gottes zuteil wurde. Die Stärke der Vertreter dieser Gruppe ist ihr soziales und karitatives Engagement für andere. Ihre Schwäche ist, dass oft das Herz nicht mit der Hand zusammengeht.

Die vierte Gruppe schließlich wird repräsentiert durch die arme Witwe. Es sind dies die Menschen, die überzeugt sind, dass es nicht reicht, Gott nur den kleinen Finger zu geben. Sie reichen Gott die ganze Hand, lassen die Not anderer Menschen an ihr Herz heran und zählen nicht, was es an Zeit, Energie und Geld kostet, zu helfen. Manchmal sind es einfache Menschen, die kein besonderes Ansehen genießen, sich aber in dem, was sie tun, mit Überzeugung und Hingabe einsetzen. Ihre Schwäche ist, dass sie sich von anderen ausnutzen lassen, wie Jesus sagt: „die Schriftgelehrten bringen die Witwen um ihre Häuser.“ Außerdem wird ihr treues Engagement oft übersehen; in der Chronik wichtiger Ereignisse taucht es für gewöhnlicher nicht auf.

In welcher der vier Gruppen würden Sie sich spontan wiederentdecken? Natürlich sind die Gruppen nicht glasklar voneinander zu trennen; vielleicht entdecke ich Anteile von mir in mehreren davon. Und ich wiederhole: Es geht nicht darum, Urteile zu fällen oder zu polarisieren. Vielmehr sollen uns diese vier Gruppen deutlicher machen, wo wir selbst in unserer Gottesbeziehung stehen. Und das ist sehr wichtig, dass ich mich selbst gut einschätzen kann. Dann kann ich nämlich weiter fragen: „Ist das auch der Platz, an dem ich stehen möchte? Oder möchte ich mich verändern? Kann ich mich mehr engagieren?“

In jeder Eucharistie erleben wir in der Mitfeier des letzten Abendmahles Jesu, wie dieser sich in Brot und Wein selbst an uns verteilt. In der Vorwegnahme seiner Hingabe am Kreuz macht er uns damit deutlich, dass er sich seine Glaubensüberzeugung nicht nur etwas kosten lässt, sondern alles, alles, was er ist und hat. Da ist keine Geht-mich-nichts-an-Haltung, kein ängstliches Sich-Zurückziehen. Jesus gab sich ganz und gar in die Hand Gottes, was auch geschehen sollte. Er war so sehr der Überzeugung, dass Gott zum Heil führt, dass er ohne Vorbehalte auf seinen Willen einging.

Ich erlebe deshalb jede Messfeier als ungeheuer große Herausforderung. Ich halte die hl. Kommunion in Händen und werde im Essen eins mit dem Herrn. Die hl. Kommunion ist aber die Frucht der rückhaltlosen Hingabe, des ganzen Einsatzes Jesu für seine Überzeugungen und für seine Beziehung zu Gott und den Menschen. Es ist das Ergebnis seines ganzen Engagements, seiner Lebenshingabe für den Glauben. Dann frage ich mich natürlich, wie steht es mit meinem Engagement im Glauben. Bin ich bereit, es mich etwas kosten zu lassen, zu Jesus zu gehören, oder lasse ich es mit dem Gottesdienst bewenden und lebe im Grunde weiter so, wie ich eben lebe?

Und wenn im zweiten Hochgebet die Bitte an Gott gerichtet wird: „Schenke uns Anteil an Christi Leib und Blut und lass uns eins werden durch den Heiligen Geist“, dann ist das für mich die Aufforderung, mich in meinem Leben noch mehr Gott anzuvertrauen, mich noch intensiver für ihn und die Menschen zu engagieren, denn wie sonst könnte ich Anteil bekommen an der Frucht der Lebenshingabe Jesu, wenn ich mich selbst nicht Gott hingebe?

 

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  33. Sonntag im Jahreskreis B

Liturgischer Text:

 

 

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