Gründonnerstag | Karfreitag | Osternacht | Ostersonntag | Ostermontag
Was würden Sie tun, wenn Sie wüssten, Sie hätten noch einen Tag zu leben? - Ich denke, wir würden alles dafür tun, die Menschen, die wir lieben, zu versammeln. Und da die Zeit so kurz und kostbar ist, würden wir sicher nicht lange um den heißen Brei herumreden, sondern wir würden versuchen, unverblümt das auszudrücken, was wir vielleicht schon seit langem sagen wollten. Und wenn noch ein wenig Zeit bliebe, würden wir sicher etwas tun wollen, um unser so kurzes Leben noch einmal zu genießen; wir würden tun, was uns ganz wichtig ist, uns Sinn und Freude schenkt.
Nichts anderes hat Jesus getan. Er wusste, was ihm bevorstand. Seine Predigt und sein Zeugnis von einem Gott, der vorbehaltlos jeden liebt, der sich ihm nur öffnen will, war bei den offiziellen Vertretern von Religion und Gesetz auf schärfste Ablehnung gestoßen; und er wusste darum. Seine Neuinterpretation der Heiligen Schriften stellte den bisherigen Tempelkult und das etablierte Priestertum in Frage. Jesus wusste auch, dass durch die Mithilfe eines seiner eigenen Jünger der Mordplan der Pharisäer und Hohenpriester zum Ziel kommen würde. - Wie sollte er nun seine letzten Stunden nutzen, wie noch einmal den Jüngern deutlich machen, worauf es ihm ankam und was die Botschaft vom Reich Gottes war?
Er versammelt noch einmal alle seine Apostel um sich, um Abendmahl zu feiern. - Hätte er seine Zeit nicht besser nutzen können, z. B. durch eine intensive Belehrung oder gar durch das Niederschreiben der wichtigsten Gebote und Anweisungen, damit ja nichts verloren geht? Anscheinend war aber Jesus das gemeinsame Mahl, das nach jüdischem Brauch auch immer Lobpreis Gottes ist, wichtiger. - Schauen wir warum.
Jesus hat in der Zeit seines Wirkens häufig Mahl gehalten, und oft hat er auch in seinen Gleichnissen vom Hochzeitsmahl gesprochen. Er scheint gerne zu Gast gewesen zu sein und auch zum Essen eingeladen zu haben. Bei Lukas finden wir ausdrücklich zehn Stellen, wo von der Mahlgemeinschaft Jesu die Rede ist: Z.B. als er zu Gast ist beim Zöllner Levi oder bei Maria und Marta, dann bei verschiedenen Pharisäern, die wunderbare Speisung der 5000 usw. Schließlich werfen ihm Pharisäer und Schriftgelehrte sogar vor, er sei ein Fresser und Säufer, ein Freund der Zöllner und Sünder! Und auf die Vorhaltung (Lk 5,33-34): „Die Jünger des Johannes fasten und beten viel, ebenso die Jünger der Pharisäer; deine Jünger aber essen und trinken“, antwortet Jesus kurz und bündig: „Könnt ihr denn die Hochzeitsgäste fasten lassen, solange der Bräutigam bei ihnen ist?“
Was ist so bedeutsam an der Mahlgemeinschaft, dass er gerade damit die letzten Stunden seines Erdenlebens zubringen will? Wie schon in den verschiedenen Mählern vorher, so geht es Jesus auch im letzten Abendmahl nicht nur um eine gesellige Runde, um Nahrungsaufnahme oder Gemeinschaft unter Menschen. Jesus hält vor allem auch Mahlgemeinschaft mit ausgegrenzten Menschen, die durch die unablässige Kritik der Gesetzeslehrer und die ständig erfahrene Verachtung anderer schon selbst an ihr Verworfensein glauben. Durch das gemeinsame Mahl will Jesus deutlich machen: Gott liebt auch dich und nimmt dich an. Wage ein neues Leben im Vertrauen auf ihn.
Jesus ist kein Freund von bloß wohlklingenden und gefälligen Worten, er versucht es über eine einfache und doch überzeugende Geste: Er legt sich mit den Menschen zu Tisch, isst und trinkt mit ihnen. Auf keine andere Weise kann er anschaulicher demonstrieren, auf welcher Seite er steht und was Liebe, Solidarität und Freundschaft Gottes bedeuten. Seine Bereitschaft, für die Gemeinschaft mit ihnen sogar selbst verachtet und diffamiert zu werden, zeigt ihnen die Echtheit seines Bemühens und öffnet sie langsam für seine Botschaft von dem Vater-Gott, der - entgegen der Lehre der Frommen - auch sie liebt und annehmen will.
Das gemeinsame Mahl mit Jesus ist ein Ort werbender Liebe. Mehr als jede Predigt oder Belehrung lädt die erfahrene Solidarität und Freundschaft die Teilnehmer zur Umkehr ein. Jesus geht es nicht um üppige Gelage, um Wein und Leckerbissen, wie ihm seine Gegner vorwerfen. Ihm geht es darum, ein Zeichen zu setzen für die kommende Gottesherrschaft. Diese Mahlgemeinschaft ist nicht exklusiv, sie gilt nicht einer geschlossenen Gesellschaft. Als Jesus z.B. bei einem Pharisäer zu Gast ist, platzt eine Sünderin aus der Stadt in das Mahl hinein, und Jesus spricht ihr die Vergebung der Sünden zu. Oder als er bei einem führenden Pharisäer eingeladen ist, steht plötzlich ein Mann vor ihm, der an Wassersucht leidet, und Jesus heilt ihn.
Nicht zufällig geschehen diese Begegnungen im Rahmen eines Mahles. Sie machen deutlich, dass es hier um mehr geht. Mit Jesus Mahl halten, das bedeutet einen Vorgeschmack dessen, was einmal in Fülle die Realität des endzeitlichen Mahles sein wird, bei dem alle Menschen Vergebung und Heil finden werden. Deshalb nutzt Jesus seine letzten Stunden mit den Jüngern, um Gemeinschaft am Tisch zu feiern. Doch während er auf jüdische Weise Abendmahl mit seinen Jüngern hält, gibt er diesem Abschluss der Serie von Gastmählern auch eine völlig neue und über ihn hinausweisende Bedeutung. Im Brot teilt er sich jetzt selber aus, und der Becher wird zum Becher eines neuen Bundes, geschlossen in seinem Blut. Er trägt seinen Jüngern auf, sich immer wieder an ihn zu erinnern, und zwar indem sie dieses Mahl in ihre jeweilige Gegenwart ausziehen.
Diese Selbsthingabe Jesu im Dienst für das Heil der Menschen fokussiert der Evangelist Johannes in der Erzählung der Fußwaschung. Genau wie die Gabe von Brot und Wein wird sie zu einem sakramentalen Akt und zu einem vorausnehmenden tätigen Ausdruck dessen, was Jesus in seinem erlösenden Leiden am Kreuz für uns Menschen tut. Wenn es hier heißt: "Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe", dann entspricht das dem eucharistischen: "Tut dies zu meinem Gedächtnis." Ja, wir sind aufgerufen, miteinander Eucharistie zu feiern, aber auch in tätiger Liebe einander anzunehmen und helfend beizustehen.
Heute wird uns also ein großes und wichtiges Geschenk zuteil, das Jesus den Menschen in seinen letzten Stunden geschenkt hat: Seine Mahlgemeinschaft mit uns Menschen, welche Gemeinschaft mit Gott, Vergebung und Heil bedeutet und die über seinen Tod hinausgeht. Sie geht weiter, weil er in den Gaben von Brot und Wein selbst anwesend bleibt; unsichtbar zwar, doch aus der Erinnerung an diesen letzten Abend seines Lebens auf Erden und an seine vorherigen Mähler genauso ergreifend und herzerwärmend. Und seine Verheißung gilt: Was wir punktuell in der Eucharistie erfahren dürfen, das wirkt durch uns in die Welt hinein und wird einmal die allumfassende Realität sein, wenn wir bei ihm in seiner Herrlichkeit sind.
So abrupt kann doch das Evangelium nicht enden: „... denn sie fürchteten sich.“ Das kann doch wohl nicht das letzte Wort in der Nacht der Auferstehung sein! Nach dem ausdrücklichen Auftrag des jungen Mannes im Grab würde man als Fortsetzung eher folgendes erwarten: „Sie staunten und konnten es vor Freude noch nicht fassen. Dann gingen sie hinaus und brachten den Jüngern die frohe Botschaft: Er ist auferstanden.“
Aber nein, das Markusevangelium endet mit einem Hammer. Es ist vom Fliehen die Rede, von Schrecken und Entsetzen. Und anstatt die Nachricht von Jesus, der zu neuem Leben gekommen ist, zu verbreiten, verschweigen sie sie und werden so selber zum Grab dieser Botschaft - „denn sie fürchteten sich“, so heißt es.
Osterzeuginnen, die ihren Verkündigungsauftrag nicht ausführen, das ist dramatisch. Wie also soll die Botschaft der Auferstehung bekannt werden? Warum lässt Markus seine Hörer im Ungewissen darüber, ob und wie es weitergeht?
Es gibt eine einleuchtende Erklärung: Markus will uns Hörer dieses Evangeliums ins Spiel bringen. Wir sollen aufhorchen: Wenn es mit dem Evangelium weitergehen soll, dann kommt es jetzt wohl auf mich an, der ich vom unerfüllten Verkündigungsauftrag höre. Ich kann doch nicht zulassen, dass das Evangelium im Sande verläuft. Wenn die Frauen in der Ostererzählung es nicht weitersagen, dann muss ich es tun.
Es ist gut, dass es Menschen wie diesen jungen Mann im Grab gibt, der bereit steht und Auskunft gibt, wenn Menschen anfangen zu suchen. Aber niemand hat es in der Hand, dass seine Worte ins Herz treffen und Menschen bewegen. Vielleicht will uns Markus auch sagen: Ostern habt ihr nicht in der Hand.
Wie wir in den anderen Evangelien erfahren, werden die Frauen schließlich doch die Botschaft der Auferstehung weitersagen. Sie brauchen eben Zeit, um sich von dem Schrecken zu erholen, um diese existentielle Herausforderung von Kreuz, Begräbnis und Auferstehung Jesu zu verdauen.
Wenn dich diese Botschaft nicht zuerst erschreckt, dann ist sie vielleicht noch gar nicht wirklich angekommen. Spüre, was es bedeutet, dass dieser vom menschlichen Herrschaftssystem verurteilte und aus der Welt geschaffte Jesus, plötzlich wieder unter den Menschen steht. Spüre, was es bedeutet, dass der Tod nicht die alles entscheidende Grenze ist, für die wir ihn selbstverständlich halten. Spüre, was es bedeutet, dass der Weg des ungerecht Leidenden, den Jesus gegangen ist, nicht von Gott verlassen ist. Mit der Auferstehung Jesu steht auch über all unseren Verlassenheit und Traurigkeiten, über aller Gewalt, die Menschen Menschen antun, über Resignation und Lebensmüdigkeit Gottes Verheißung: „Ich bin mit dir! – in jedem Moment deines Lebens“.
Sollte uns das nicht erschüttern, anrühren, vielleicht sogar erschrecken. Die Botschaft von der Auferstehung Jesu kann man nicht weitersagen, wenn man damit selbst nichts anzufangen weiß. Es ist kein Katechismuswissen, das man einfach wiederholen könnte, ohne in der eigenen Existenz davon berührt zu sein. So ist es gut, die Botschaft nicht zu schnell aufzunehmen, um sie gleich anderen weiterzusagen.
Markus sagt uns mit seinem abrupten Schluss: Ostern könnt ihr nicht machen. Ostern wird geschenkt, wo Gott selbst den Stein von der Kammer deines Herzens wegwälzt. Dass er uns diese Gnade in der Feier dieser Nacht schenke, darum bitte ich.
Ein einfacher Mann aus dem Volk, der es verstand, die Menschen aus ihrer Lethargie herauszureißen und ihnen die Hoffnung lebendig zurückzugeben, die in ihrem Inneren in Todesschlaf gefallen war. Ein Mensch, der neue Energien weckte, weil er selbst davon überzeugt war, dass sich etwas an den bestehenden Verhältnissen ändern ließ, wenn man sich nur voll einsetzte. Ein Hoffnungsträger, der Menschen neu in Bewegung brachte, die sich von den Umständen und Zwängen das Leben verdrießen und sich lähmen ließen. Ein Prophet, der mit seinen Aussagen so manchen Ungeist enttarnte und unschädlich machte, der die Welt wieder auf die Füße stellte, so wie sie geschaffen war.
Es hätte wirklich etwas aus ihm werden können, wenn, ja, wenn da nicht dieser tragische Fehler unterlaufen wäre. Augenscheinlich hatte er die Skrupellosigkeit und Entschlossenheit seiner Gegner unterschätzt. Er hatte es versäumt, seine Anhänger besser zu bewaffnen und zu trainieren, einen strategisch klugen Sturmplan zu schmieden, um im richtigen Moment die etablierten Machthaber zu überwältigen. Stattdessen hat er sich völlig hilflos von den Soldaten der Tempelbehörde fassen lassen. Seine Anhänger haben nicht einmal für ihn gekämpft, sondern sind geflohen, nur einer hat ganz ungeschickt mit dem Schwert hantiert, ohne natürlich etwas ausrichten zu können.
Aber auch er selbst war ab seiner Verhaftung nicht wiederzuerkennen, so als ob irgendeine fremde Macht ihn zurückhielte. Wo er doch vorher in seiner Redegewandtheit Massen fasziniert hatte – in den Verhören ist er immer einsilbiger geworden und schließlich ganz verstummt. Man hat ihm auch nachgesagt, dass er Kranke geheilt hätte, sogar auf dem Wasser gelaufen wäre und Stürme bändigen konnte. Aber warum versagten seine Künste jetzt, wo er sie doch für sich selbst so gut hätte nutzen können? Wie gesagt: es hätte etwas aus ihm werden können. Traurig nur, dass am Ende alles schief gelaufen ist. - -
Diese Einschätzung des Lebens Jesu hört sich sehr ernüchternd an, aber wahrscheinlich gibt sie die Stimmung der Jünger Jesu nach dem Karfreitag wieder. Ein Prophet, dessen zentrale Botschaft der Beginn neuer Machtverhältnisse war, der dann aber vom bestehenden System, das er doch kritisiert und hinterfragt hatte, zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde, der ist samt seiner Botschaft hingerichtet worden und nicht mehr glaubwürdig. Deshalb waren seine Anhänger wie vor den Kopf gestoßen und zogen es vor unterzutauchen. Über die Sache wäre wahrscheinlich Gras gewachsen, und wir Menschen des 21. Jahrhunderts hätten nie etwas von einem Jesus aus Nazaret erfahren, geschweige denn, dass sich Gläubige auf der ganzen Welt in seinem Namen versammeln würden.
Da muss etwas ganz Entscheidendes passiert sein, dass die Geschichte dieses Mannes trotz des augenscheinlichen Fiaskos seiner Verurteilung und Hinrichtung als Verbrecher doch noch eine Fortsetzung fand. Das Grab war mit einem schweren Stein verschlossen. Genauso waren die Menschen dabei, das Kapitel Jesus abzuschließen und damit die Hoffnung auf ein neues Leben in Wahrheit und Freiheit. Man könnte sagen: Deckel drauf auf diese Sehnsüchte und Hoffnungen, die anscheinend zu gefährlich waren und sich nicht durchsetzen konnten. Fast hätten die Menschen sich damit abgefunden, dass das Leben eben so sein muss, wie es ist, wenn da nicht einige Frauen gewesen wären, die trotz ihrer Enttäuschung das Grab aufgesucht hätten, um zu trauern und ihrem Herrn den letzten Dienst zu erweisen, nämlich seinen Leichnam einzusalben.
Sie haben als erste entdeckt, dass das Kapitel Jesus noch lange nicht abgeschlossen war. Gott hatte den Stein vom Grab weggerollt und damit in der Geschichte von Jesus ein neues Kapitel aufgeschlagen. Die sauber gefalteten Tücher im Grab scheinen andeuten zu wollen, dass in die verworrene Realität um seinen schmählichen Tod am Kreuz plötzlich eine neue Ordnung hineinkommt. Der vermeintliche Patzer in der Laufbahn Jesu war kein bedauerlicher Fehler, er war vielmehr Programm, der Tod und vor allem seine Überwindung gehörten zum Plan der Erlösung. Doch diese ungeheure Wahrheit lag noch ganz im Dunkeln, das Licht des Erkennens war darüber noch nicht aufgegangen. Die ganze Bosheit, der Neid und die Grausamkeit, die sich in seiner Hinrichtung an Jesus entluden, waren nicht das Ende für ihn und für seine Botschaft. Jesus hatte den Tod überwunden und ihm damit die ganze Macht seiner Endgültigkeit genommen. Jesus hatte in seiner liebenden Hingabe die ganze Macht der Bosheit des Menschen überlebt und ihr damit das Heft aus der Hand genommen. Der mutmaßlich gestohlene Leichnam entpuppte sich als lebendiger Jesus, der in neuer Gestalt, doch mit vertrauter Stimme die Seinen ansprach.
Genau wie für die Jüngerinnen und Jünger damals, so ist es auch für uns heute schwer zu verstehen, was da wirklich geschah und was das bedeutet, dass Jesus von den Toten auferstand. Wir haben Zweifel. Aber glauben Sie mir, hätten die Jüngerinnen und Jünger damals nicht deutlich erlebt, dass dieser Jesus nach seinem Tod mitten unter ihnen lebendig und kraftvoll aufgetreten ist, sie hätten aufgehört, von ihm zu sprechen und seine Botschaft weiterzutragen. Wir würden heute einen gewissen Jesus von Nazaret nicht einmal kennen. Die ersten Jünger, aber auch alle Generationen danach, die das Zeugnis seiner Gegenwart weitergegeben haben, sie sind der Beweis dafür, dass Jesus Christus am Leben ist und unter uns weilt.
Wenn Jesus aber den Tod überwunden hat und auferstanden ist, dann gibt es doch auch eine neue Chance für die Träume und Hoffnungen, die auch in uns noch begraben liegen. Daraus kann noch einmal etwas werden. Das klingt unglaublich, unmöglich, aber wir sollten das Wort wirklich ernst nehmen: Für Gott ist nichts unmöglich. So wie er seinen Sohn aus dem Tod herausgerufen hat, so wird er auch uns aus unseren Sackgassen ungelebter Möglichkeiten herausführen und auf die Prozessionsstraße hin zu seiner Herrlichkeit geleiten. Trauen wir Gott mehr zu als uns unser Verstand an Möglichkeiten bietet!
Meditation
Bedrängte Menschen sind wir:
bedrängt von der Not,
kleinmütig vor Angst,
dem Sterben ausgeliefert.
Bedrängte Menschen sind wir:
arm an Liebe,
fähig zum Hass,
trauernd über den Verfall.
Bedrängt aber auch von dem Hunger nach Glück,
von der Hoffnung auf Leben,
von dem Wissen um Liebe.
So wachen wir an deinem Grab.
Denn obwohl wir dich begraben haben,
können wir ohne dich nicht leben.
So hören wir die Botschaft deiner Jünger:
Er lebt! Er ist auferstanden!
Bedränge uns mit dieser Botschaft,
mit dieser Zusicherung von Leben und Glück.
Bedränge uns so, dass keine irdische Bedrängnis
diese österliche Erfahrung verdrängen kann.
(Gerhard Eberts. Jesus und der bedrängte Mensch. München, Rex, 1975:105)