2. bis 6. Sonntag im Jahreskreis

Lesejahr A

  2. Sonntag im Jahreskreis A

Joh 1,29-34: Das Zeugnis des Täufers für Jesus

"Seht das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt."

Auf die Predigt Johannes des Täufers hin hatten sich ihm begeisterte Menschen angeschlossen, die schließlich seine Jünger wurden, so wie es damals in Palästina bei zahlreichen Predigern der Fall war. Johannes wusste sich von Gott berufen, die Menschen zur Umkehr aufzurufen und den Weg zu bereiten. Er wusste aber auch, dass nicht er den bereiteten Weg entlang schreiten, sondern dass ein anderer kommen würde, einer, der größer war als er.

Da begegnen sich nun Johannes der Täufer und Jesus zum ersten Mal. Und was sagt Johannes, um seinen Jüngern zu erklären, wer da vor ihnen steht: "Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt." Diese Aussage steht so da, als ob für Johannes damit das Wesentliche von Jesus Christus ausgedrückt wäre.

Wenn uns heute jemand danach fragt, was uns an unserem Glauben an Jesus Christus wichtig ist, dann würden wir wohl kaum antworten: "Christus ist für mich das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt." Schauen wir deshalb einmal näher, was Johannes d. T. mit seiner Aussage gemeint hat.

Johannes gebraucht das Bild des Lammes. Er sagt, Jesus sei ein Lamm, und zwar nicht irgendein Lamm, sondern das Lamm Gottes, das zu Gott gehört und von ihm stammt. Die Haupteigenschaften eines Lammes, also eines jungen Schafes, sind: Unschuld, Einfalt, Arglosigkeit, Sanftmut. Das lässt auf das Verhalten Jesu schließen, der ja von sich selbst sagt (Mt 11,29): "ich bin gütig und von Herzen demütig".

Aber Johannes sagt von diesem zahmen Lamm, dass es die "Sünde der Welt hinwegnimmt." Hier geht es nicht um die einzelnen Verfehlungen der Menschen. "Sünde der Welt" meint, dass die Menschen, wie es im 3. Kapitel des Johannes-Evangeliums heißt, die Finsternis mehr lieben als das Licht. Es ist die Tatsache benannt, dass der Mensch einen Drang zum Bösen in sich hat, weil nämlich Satan, der Fürst dieser Welt, die Menschen unter seine Herrschaft zwingt.

Schauen wir uns in diesem Zusammenhang das vierte Lied vom Gottesknecht im Propheten Jesaja an (Jes 53,4-7). Dort heißt es: "er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen. ... Wir hatten uns alle verirrt wie Schafe, jeder ging für sich seinen Weg. Doch der Herr lud auf ihn die Schuld von uns allen. Er wurde misshandelt und niedergedrückt, aber er tat seinen Mund nicht auf. Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, und wie ein Schaf angesichts seiner Scherer, so tat auch er seinen Mund nicht auf."

Das Elend der Versklavung durch das Böse und die Last dieser Unterwerfung nimmt das Lamm Gottes von den Schultern und von den Herzen der Menschen. Das Lamm Gottes kann deshalb die Menschen befreien, weil es selbst diese Versklavung auf sich nimmt. Die Last, die uns zu Boden streckt, nimmt das Lamm von uns und trägt sie an unsrer statt. Das ist damit gemeint, wenn von "die Sünde hinwegnehmen" die Rede ist.

Wir würden annehmen, dass das kleine, zarte Lamm von dieser Last völlig niedergewalzt würde. Aber gerade hier zeigt sich das Wunder, das Gott wirkt: das Gewalttätige wird durch das Friedfertige besiegt, das Große kapituliert vor dem Kleinen; das brüllende Böse verliert und versagt gegenüber dem stummen Guten.

Jesus Christus hat dem Bösen nie die geringste Chance gegeben. Sein Leben war ein Dienst am Menschen in völliger Hingabe und Liebe. Und sein Tod war dessen Vollendung, indem er der abgrundtiefen Abscheulichkeit der Menschen allein seine Vergebung und Liebe entgegensetzte. Alle Versuchungen des Fürsten der Welt waren bei Jesus vollends vergebens. Jesus hat das Böse ins Leere laufen lassen, er hat es besiegt durch das Gute.

"Wo aber ist unser Platz in dieser ganzen Überlegung?", werden Sie vielleicht fragen.

Nun, dies alles hat Jesus ja um unsretwillen getan. Wir sind diejenigen, die gewinnen bei der ganzen Sache. Das Lamm Gottes, also Jesus Christus, befreit uns von unserem Ausgeliefertsein an die Sünde. Er hat durch sein Leben und Sterben die Möglichkeit geschaffen, dass es eine neue Generation von Menschen geben kann, die sich bewusster für den Weg des Guten entscheiden, weil alle Angst und Bosheit entlarvt ist und der Sieg letztlich der Liebe gehört. Im Blick und Vertrauen auf ihren Herrn können die Christen es wagen, dem Bösen, das ihnen widerfährt, das Gute entgegenzusetzen, ohne dass die Angst sie zu einer Antwort der Rache verleitet. Denn in der Hingabe Jesu am Kreuz ist alle Angst durch die gehorsame Liebe des Sohnes durchbrochen worden.

Christus hat in seinem Wort, das er zu uns Menschen gesprochen hat, die Wahrheit des Reiches Gottes offenbart. Mit seiner Botschaft vom barmherzigen Vater, der seine Kinder unabdingbar liebt, hat er uns das Mittel in die Hand gegeben, den Angriffen des Bösen zu widerstehen. Damit wir in dieses Wort eindringen, es verstehen, in seiner Freiheit leben können, dafür brauchen wir den Heiligen Geist, denn er ist die Kraft Gottes, die uns zu seinen Kindern macht. Beten wir also darum, dass der Heilige Geist, der in uns lebt, kräftig werden möge, damit wir Jesus bewusster nachfolgen. Damit wir verstehen, das Böse durch das Gute zu überwinden.

 

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  3. Sonntag im Jahreskreis A

Mt 4,12-23: Erstes Auftreten in Galiläa / Die Berufung der ersten Jünger

Im 9. Kapitel des Propheten Jesaja, wird das Licht besungen. Wir haben einen Abschnitt daraus in der Lesung gehört. Ein Licht, das sehr hell ist und das über das ganze Land hin strahlt. Ein Licht, das alles Dunkel und alle Finsternis durchdringt und verscheucht.

Matthäus deutet diese Stelle des Jesaja auf Jesus hin. Denn er zitiert den Propheten, um das erste öffentliche Auftreten Jesu in Galiläa als Erfüllung der Verheißung Gottes im AT darzustellen. Jesus Christus ist das Licht, das den Menschen in einer gottvergessenen und dunklen Stunde aufgeht.

Joh 1,9: Johannes "Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt."

Joh 8,12; Jesus: "Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben." (vgl. 12,46)

Was aber ist dieses Licht, das Christus in unsere Welt gebracht hat? Welches Licht sind die Christen heute aufgerufen, in die Welt zu tragen?

Joh 9,5; Jesus: "Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt."

Mt 5,14; Jesus: "Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben."

Versuchen wir zuerst die Finsternis zu beschreiben, die unter den Menschen herrscht, bevor das Licht zu ihnen kommt. Matthäus spricht von einem Schattenreich, und zwar vom Schattenreich des Todes: Ein Reich von Schatten also, die dem Tod verfallen sind. Das lässt mich an gruselige Filmszenen denken, in denen man nur schemenhafte Umrisse im Dunkeln erkennen kann, wo der eine in Todesangst um sein Leben läuft, weil er gejagt wird. Der Gehetzte zuckt in Angst zusammen vor allem, was sich irgendwie bewegt, und wenn es auch nur ein im Wind schwankender Baum ist, der in seinem Schatten an der Wand grässliche Fratzen zeichnet. Alles, was wie ein Mensch aussieht, gilt als potentiell gefährlich und das wichtigste Motto heißt: "Sieh zu, dass du um jeden Preis deine eigene Haut rettest."

Was geschieht nun, wenn in diese Finsternis hinein ein helles Licht strahlt. Ich meine damit nicht etwa den Scheinwerfer eines Polizeihubschraubers, der Verbrecher verfolgt. Ich meine damit das Licht, von dem unser Evangelist schreibt, das Licht Jesu Christi. Was geschieht, wenn dieses Licht in die Finsternis hineinleuchtet? - Dieses Licht nimmt den Menschen die Angst voreinander, denn es vertreibt alle Finsternis, und die Menschen erkennen, dass das, was ihnen vorher als bedrohlich erschien nur ein harmloser Baum ist. Sie erkennen in dem neuen Licht, dass der Mensch, der sie zu bedrohen schien, ein Mensch ist mit seinen Sorgen und Nöten, genau wie sie selbst, und dass es möglich ist, mit ihm in Frieden zu leben. Sie erkennen, dass es nicht darum geht, zuerst ihre eigene Haut zu retten, sondern dass es wichtig ist, sich für die Hilflosen und Bedürftigen einzusetzen, denn auch deren Haut ist ihnen von demselben Schöpfer gegeben worden wie die ihre. Das Licht ermöglicht eine neue Mitmenschlichkeit in Frieden und Gerechtigkeit.

Dazu eine Geschichte eines Rabbis:

Ein Rabbi fragte einen gläubigen Juden: "Wann weicht die Nacht dem Tag? Woran erkennt man das?" Der versuchte eine Antwort: "Vielleicht wenn man den ersten Lichtschimmer am Himmel sieht? Oder wenn man einen Busch schon von einem Menschen unterscheiden kann?" "Nein", sagte der Rabbi, "die Nacht weicht dem Tag, wenn der eine im Gesicht des anderen den Bruder und die Schwester erkennt. Solange das nicht der Fall ist, ist die Nacht noch in uns." (Hoffsümmer I, Nr. 110)

Das Licht, das mit Jesus Christus in die Welt kam, und das uns Christen anvertraut ist, damit wir es weiterhin in die Welt bringen, ist die Erkenntnis, dass alle Menschen einander Brüder und Schwestern sind. Es gibt keine zweit- und drittklassigen, keine unwerten oder auszustoßenden, keine zu diskriminierenden oder aus dem Weg zu räumenden Menschen, sondern alle sind wir Geschöpfe des einen Gottes, der will, dass alle Menschen ausnahmslos gerettet werden.

Wer darum denkt, er könne sich einen Vorteil verschaffen, indem er anderen auf die Füße tritt, sie benachteiligt und heruntermacht, der schneidet sich ins eigene Fleisch. Das wahre Licht in Jesus Christus macht es offenbar: wer anderen schadet, der schadet sich selbst, weil wir nämlich alle aus derselben Quelle unser Leben schöpfen. Wer diese Quelle verunreinigt, der muss auch selber das schmutzige Wasser trinken.

Wenn viele Menschen dieses wahre Licht in ihr Leben einlassen, wenn sie mithelfen, dass auch andere keine Schwarzseher mehr bleiben, sondern dass sie im Licht Jesu Christi ihr Leben umgestalten, dann wird es geschehen, dass aus dem Schattenreich des Todes ein Reich des Lichtes und des Lebens wird, eben ein Himmelreich.

 

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  4. Sonntag im Jahreskreis A 

Mt 5,1-12a: Bergpredigt - Die Rede von der wahren Gerechtigkeit / Die Seligpreisungen

Haben Sie schon einmal versucht Kaffee oder Tee in eine schon volle Tasse einzuschenken? Früh morgens, wenn der Schlaf noch in den Augen sitzt und die Gedanken irgendwo zwischen Himmel und Erde hängen, da kann so etwas schon einmal passieren. Wenn Sie es dann noch früh genug merken, können Sie vielleicht die Überschwemmung in Grenzen halten, doch Sie werden sich vielleicht sagen: "Na dieser Tag fängt ja gut an."

Jedenfalls kann diese übergelaufene Tasse ein Bild für das geistliche Leben des heutigen Menschen sein. Wir Menschen sind voll von allen möglichen Dingen: Werbesprüche und Blinkreklame, "In welchem Land sollen wir im Sommer Urlaub machen?", Rechtsstreit mit dem Nachbarn, "Mein Chef ist nie zufrieden mit meiner Arbeit", Reparaturen am Haus, "Unsere Tochter ist immer noch arbeitslos", neue Rechtsvorschriften, "Wie sollen wir das bezahlen", Schlankheitskur und Fitnesswahn usw. usw. usw.

So vieles nimmt uns in Beschlag, macht uns voll, und dann versuchen wir auch noch etwas Religiöses draufzusetzen, aber irgendwie läuft das an uns vorbei, gleitet an uns ab, ohne uns wirklich zu erfüllen.

Wenn wir die Seligpreisungen, die wir heute im Evangelium gehört haben, zusammenfassen wollen, so können wir sagen: "Auf die Sehnsucht kommt es an". Zu Beginn seiner ersten Rede im Mt-Evg. spricht Jesus von der Sehnsucht; er preist die Menschen selig, die in ihrem Leben mit Gott rechnen, die etwas von ihm erwarten, die Sehnsucht nach Gott haben, denn ihre Sehnsucht ist dabei sich zu erfüllen.

"Selig sind die", das heißt mit anderen Worten "Ich beglückwünsche euch". Wen beglückwünscht denn Jesus, und warum?

Er beglückwünscht diejenigen, die arm sind vor Gott. Damit sind Menschen gemeint, die erkannt haben, dass sie nicht vollkommen sind, dass sie sich nicht selber an den Haaren aus dem Sumpf ziehen können. Solche Menschen erwarten etwas von Gott, nämlich Heilung, Rettung und Erlösung; deshalb sind sie arm vor Gott.

Jesus beglückwünscht die Trauernden. Das sind Menschen, denen das Leid anderer Menschen nicht egal ist, die weinen mit den Weinenden. Sie erwarten etwas von Gott, nämlich dass er Hilfe bringt und ungerechte Strukturen aufbricht, so dass alle Menschen menschenwürdig leben können.

Jesus beglückwünscht diejenigen, die keine Gewalt anwenden. Das sind Menschen, die in unserer schroffen Welt oft den Kürzeren ziehen, sie wollen nicht die Ellbogen gebrauchen und ihr eigenes Recht nicht mit unrechten Mitteln durchboxen. Diese Menschen können auf Gewalt verzichten, weil sie erkannt haben, dass Gott der einzige und wahre Richter ist. Sie erwarten von ihm, der die Herzen der Menschen prüft, dass er die Wahrheit zum Sieg führen wird.

Weiterhin beglückwünscht Jesus die Menschen, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit. Das sind Menschen, die nicht die Augen verschließen vor menschlichen Machenschaften, Korruption und Ausbeutung. Sie erwarten etwas von Gott, nämlich dass er seinen Geist der Liebe in die Herzen der Menschen sät, damit die Menschen einander als Brüder und Schwestern erkennen.

Dann beglückwünscht Jesus die Barmherzigen. Das sind die, die gut sind zu anderen, ohne etwas als Gegenleistung zu erwarten; sie teilen und geben von dem Ihren ohne zu zählen. Auch sie erwarten etwas von Gott, nämlich dass er sie belohne und sie als seine Kinder annehme.

Jesus beglückwünscht diejenigen, die ein reines Herz haben. Das sind die Menschen, die sich an die Gebote Gottes halten und sich vor allen Versuchungen in Acht nehmen. Sie erwarten etwas von Gott, nämlich dass er seine Verheißungen wahr macht, ihnen Anteil an der Ewigen Freude zu geben.

Jesus beglückwünscht die, die Frieden stiften. Das sind Menschen, die zwischen verfeindeten Parteien vermitteln, die über Anschuldigungen und Verleumdungen hinweg den Menschen sehen. Auch sie erwarten etwas von Gott, nämlich dass er sein Volk in einem neuen Reich des Friedens vereint.

Schließlich beglückwünscht Jesus die Menschen, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, die um seinetwillen beschimpft, verfolgt und verleumdet werden. Das sind Menschen, die nicht auf ihr eigenes Leben achten, wenn sie sich für das Gute einsetzen, denn sie wissen, dass es um die Zukunft der Menschheit geht und dass es nötig sein kann, Opfer zu bringen, wenn nur dadurch ein weiteres Licht von Liebe und Gerechtigkeit entzündet wird.

Auf die Sehnsucht kommt es an!

Denken wir wieder mehr daran, in unserem Leben mit Gott zu rechnen. Strecken wir uns nach ihm aus, sehnen wir uns nach ihm. Dann sind wir wie eine frischgespülte und aufnahmebereite Tasse, in die Gott sein belebendes, duftendes und anregendes Getränk des Heiligen Geistes füllen kann. Dann gehören auch wir zu denen, die Jesus beglückwünscht.

 

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  5. Sonntag im Jahreskreis A

Mt 5,13-16: Bergpredigt - Vom Salz der Erde und vom Licht der Welt

Während seiner Wanderschaft hat Jesus Menschen um sich geschart, die mit ihm ziehen durften; sie hörten ihm zu, als er lehrte, sie erlebten ihn in seinem Umgang mit Menschen, in seiner Barmherzigkeit und in seinem Eintreten für die Hilflosen. Und nun erwartet Jesus von diesen Menschen, die sich in seine Schule begeben haben, dass sie etwas von ihm gelernt haben. Ihrerseits sollen sie in die Welt hineinwirken wie ein Licht in die Finsternis. Sie sollen von der Barmherzigkeit und Liebe Gottes den Menschen künden, sie sollen Hilfe leisten, wo sie nur können und Werke tun, die die Liebe Gottes zu den Menschen deutlich werden lässt.

In der Kirche im Kongo, wo ich vor Kurzem noch als Missionar tätig sein durfte, ist dies zu einem Schlagwort geworden. Man sagt dort in der einheimischen Sprache Lingala: "Ozwi Nzambe, kaba Nzambe!" Übersetzt heißt das: "Du hast Gott empfangen, teile Gott mit anderen!" Und dieser Ruf wird z. B. gebraucht, wenn jemand von einem Segen, von einem besonderem Schutz oder von einer erfahrenen Hilfe berichtet, die Gott ihm gegeben hat. Einer sagt dann: "Ozwi Nzambe", und alle stimmen ein: "kaba Nzambe!" Dadurch wird ganz deutlich, dass Gott uns mit allem, was er uns gibt, auch zu einer Antwort einlädt. Wer von Gott empfängt, darf sich darüber freuen und ist eingeladen, seinerseits anderen zu geben, die auf Hilfe warten.

Wenn also Jesus zu seinen Jüngern sagt: "Ihr seid das Licht der Welt" und "euer Licht soll vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen", dann ruft er sie dazu auf, Gutes zu tun, in Wort und Tat, damit Freude und Lebensmut unter die Menschen kommen.

Aber - so werden Sie sich fragen - steht das nicht im direkten Widerspruch zu anderen Worten Jesu:

Mt 6,1-3.5: "Hütet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen; sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater im Himmel zu erwarten. 2 Wenn du Almosen gibst, lass es also nicht vor dir herposaunen... Wenn du Almosen gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut. 5 Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden."

Was stimmt denn nun? Haben wir da einen der unlösbaren Widersprüche, die manche der Bibel vorwerfen? Einerseits sollen wir gute Werke tun, die von den Menschen gesehen werden, wie ein Licht in der Finsternis, andererseits aber sollen wir uns hüten, uns mit dem Guten zur Schau zu stellen.

Dieser Widerspruch ist aber nur ein Widerspruch, wenn man an der Oberfläche bleibt und nicht in den tieferen Sinn der Worte Jesu eindringt. Es ist ganz wichtig, dass wir auf diesem Hintergrund den letzten Vers des heutigen Evangeliums noch einmal ganz lesen: "So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen." (V. 16) Das eigentliche Ziel der guten Werke, die die Jünger Jesu aufgerufen sind, im Angesicht der Menschen zu vollbringen, ist nicht eigener Ruhm oder eigene Anerkennung oder irgendwelche Vorteile bei den Menschen, sondern der Lobpreis Gottes. Und das ist der Knackpunkt.

Den Menschen, denen es bei guten Aktionen letztlich nur um sich selbst und um eigene Vorteile geht, denen ist gesagt, dass sie sich doch nicht so zur Schau stellen sollen. Die Menschen aber, die sich in die Schule Jesu begeben haben, haben von ihm auch Demut und Selbstlosigkeit gelernt sowie Gehorsam gegenüber dem himmlischen Vater. Wenn sie nun selbst aufgerufen sind, ihrerseits den Menschen in guten Werken beizustehen, so sollen auch sie nicht ihren eigenen Vorteil darin suchen, sondern alles soll der Ehre Gottes dienen. Die Menschen, denen geholfen wird, sollen in den guten Werken, die Liebe Gottes selbst erkennen können.

Es soll ihnen also wirklich das Wohl, die Gesundheit und das Glück anderer am Herzen liegen. Ihnen ist gesagt: ihr braucht euch nicht zu verstecken mit euren guten Aktionen. Gebt Zeugnis von dem, was ihr tut, sprecht von euren Unternehmungen, teilt die Freude über kleine Erfolge, denn die Menschen sind es leid, immer nur schlechte Nachrichten zu hören. Wenn sie das Gute hören und sehen, das ihr tut, werden sie sich freuen, werden sie neuen Lebensmut schöpfen und werden sie auch selbst wieder die Kraft finden, sich für das Gute zu engagieren. Und das ist Lobpreis und Ehre Gottes, wenn Menschen sich gegenseitig an die Hand nehmen auf dem Weg in die verheißene Welt.

 

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