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Liturgie als Lehrerin des guten Umgangs
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Die richtige Haltung beim Kommunionempfang
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Was ist besser: Mund- oder Handkommunion?
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Seit 30 Jahren lebt Asfa-Wossen Asserate in Deutschland. Aufmerksam studierte der promovierte Prinz des äthiopischen Kaiserhauses die Umgangsformen seiner Wahlheimat und machte sich Notizen. Auf Bitten seines Verlegers entstand daraus das amüsante Buch "Manieren", das schnell ein Bestseller wurde.
In Ihrem Buch "Manieren" geht es weniger um
Tanzschritte und Tischsitten als um eine innere Haltung. Weist sein Erfolg auch
auf eine weit verbreitete Sehnsucht hin?
Asfa-Wossen Asserate: Ja, es gibt eine Sehnsucht nach Orientierung
und Verbindlichkeit, aber auch nach einem höheren Wesen.
Sie
schreiben, dass die Liturgie die eigentliche Schule der Manieren sei.
Man kann mühelos darlegen, wie sich aus dem liturgischen Dienst der
lateinischen und griechischen Kirche die wesentlichen Formen der Ehrfurcht und
des Respekts ableiten lassen, die in den europäischen Manieren so lange
bestimmend waren.
Die
Liturgie hat auch mit der Ehrfurcht vor dem Heiligen zu tun.
Ja. Und was die Religion an Ehrfurcht vor dem Heiligen lehrt, kann
man auch auf Menschen übertragen: Ehrfurcht gegenüber dem Nachbarn, darum geht
es auch.
Ist uns
beides abhanden gekommen?
Ich bin davon überzeugt, dass wir besonders in den letzten 30 Jahren
vieles verloren haben. In dieser Zeit hat man die Ehrfurcht und alles, was nach
Patrimonium und Tradition roch, weggeschleudert.
Was heißt
das konkret?
Der Verlust der Ehrfurcht vor den Eltern und die Respektlosigkeit vor
alten Menschen. Im Fernsehen läuft zur Zeit der Werbespot einer Hypothekenbank.
An einem Frühstückstisch sitzen Vater, Mutter und Sohn. Der Sohn sagt:
"Wir haben es lange versucht, aber es klappt nicht mit uns. Verlasst mein
Haus!" Das heißt: Wenn du früh genug mit dem Sparen anfängst, kannst du
sogar eines Tages deine Eltern fortjagen. Soll das unser Ideal sein?
Rücksichtslosigkeit und Egozentrismus sind anscheinend die neuen Werte, die wir
propagieren.
In Ihrem
Buch geht es auch um die Rücksicht vor den heiligen Räumen. Viele Leute wissen
nicht mehr, dass Kirchen Orte des Heiligen sind, die man nicht mit Mütze oder
Badezeug, Eis lutschend oder rauchend betritt.
Das ist eben das schlechte und unwahre Verständnis der Freiheit.
Wissen Sie, dieses Grenzenlose. Es gibt nichts, was ich nicht machen kann.
Niemand ist da, der mir irgendetwas zu verbieten hat. Erst recht nicht die
Kirche. Die Tabulosigkeit ist das wahre Problem. Sie brauchen doch nur mal im
Fernsehen zu verfolgen, was der Mensch heutzutage alles macht. Wohin ist denn
die Menschenwürde gekommen? Es gibt nichts Heiliges mehr. Niemand weiß, was
man anbeten soll, was man eigentlich glorifizieren soll, was man auch lieben
kann. Wir sind in dieser Hinsicht ärmer geworden als wir früher waren.
Manieren haben mit Achtung zu tun: wie ich mein Gegenüber behandele.
Auch damit,
dass alle Menschen vor Gottes Angesicht gleich sind?
Nach meiner Überzeugung haben wir die Philosophie der Gleichheit der
Menschen der Schöpfungsgeschichte zu verdanken. Was uns als Menschen gleich und
auch würdig macht, ist der Glaube, dass wir alle im Angesicht Gottes geschaffen
worden sind. Der Mensch ist die höchste Kreatur, die die Gnade besitzt, etwas
Göttliches in sich zu bergen. So würde es bedeuten: Einen Menschen umbringen,
heißt einen Teil Gottes umbringen.
Also geht
es bei Manieren letztlich nicht um moralische oder kirchliche Gesetze, sondern
um Herzensangelegenheiten?
In erster Linie. Es gibt das wunderschöne deutsche Wort
"Demut". Ein demütiger Mensch ist jemand, der eigentlich keinen
Manierenunterricht braucht. Das ist jemand, der immer den anderen in den
Mittelpunkt stellt, ohne sich selbst zu vergessen. Demut darf jedoch nicht
Selbstverleugnung bedeuten.
Sie
sprechen von Demut und Anmut.
Anmut ist das, was wir brauchen, um unser ästhetisches Dasein zu
kultivieren. Und auch, ich will es jetzt mal poetisch formulieren, den großen
Schöpfungen Gottes zu huldigen. Ob es eine schöne Frau oder ein schöner Mann
ist, ein Baum oder der blaue Himmel. Ich sehe in all diesem unseren großen
Schöpfer.
Und in
dieser Verehrung entsteht Kultur?
Selbstverständlich: "Wie groß ist Dein Reich und wie wunderbar
sind Deine Werke!"
Und Demut?
Und Demut: "Wer bin ich, ohne Deine Gnade? Und wenn Du nicht da
bist, der mich gemacht hat? Ohne Dich bin ich nichts - nur ein kleiner Punkt im
unendlichen Universum".
Das ist die
Kultur der Achtsamkeit gegen Egoismus und Rücksichtslosigkeit.
Genau das ist es, was unsere christliche Kultur ausmacht, dass man
sich nicht überschätzt und den anderen immer als den Wichtigeren sieht.
Wird unsere
seelenlose Welt wärmer, wenn wir uns darauf wieder besinnen?
In der Tat. Wenn ich jetzt in deutschen Städten aus meinem Buch
vorlese, wissen Sie, was mich da am meisten freut? Dass ein beachtlicher Teil
meiner Hörer Jugendliche sind. Ich höre aus den Fragen der neuen Generation,
dass sie, auf gut Deutsch gesagt, die Nase voll hat von dem, was wir ihnen in
all diesen Jahren vorgemacht haben. Sie wollen einen besseren Umgang mit ihren
Mitmenschen, der nicht auf Herzenskälte basiert. Sie suchen eine neue
Orientierung. Diese Art der Gesinnung ist noch ein kleines Pflänzchen. Ich sehe
es aber wachsen. Und es ist unsere Aufgabe, es zu hegen, zu pflegen und zu
bewässern, damit es eines Tages zu einem starken Baum wird.
Das ist
eine Hoffnung.
Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass diese seit Jahren als
antiquiert, als nicht mehr brauchbar angesehenen Werte wieder nach Deutschland
zurückkommen.
aus: "Wir brauchen Demut und Anmut". Andere Zeiten: Magazin zum Kirchenjahr. Heft 3/2004: 6f. Mit Asfa-Wossen Asserate sprach Hinrich C. G. Westphal.
Das Buch "Manieren" ist im Eichborn Verlag erschienen.
Jesus spricht: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, ich gebe es hin für das Leben der Welt.“ (Joh 6, 51)
In Verkündigung und Katechese soll immer wieder deutlich gemacht werden, dass in der Gabe der Eucharistie Christus selber sich uns schenkt unter den Gestalten von Brot und Wein. Sowohl das Darreichen des Herrenleibes durch den Spender wie auch das Empfangen durch den Kommunikanten sollen daher in würdiger Weise geschehen. Der Spender vermeide jede Hast beim Reichen der eucharistischen Gabe und beim Sprechen der Spendeworte.
Der
Gläubige streckt die linke geöffnete Hand etwa in Herzhöhe aus und
unterstützt diese mit der rechten Hand, so dass beide Hände gleichsam einen
Thron bilden (hl. Cyrill v. Jerusalem) für den Herrn.1 Diese Haltung
soll zu einer deutlichen Geste des Empfangens werden. Wichtig dafür ist die
innere Vorbereitung, denn jede äußerliche Geste muss hohl werden und
verkommen, wenn sie nicht etwas ausdrücken kann, was im Menschen lebendig ist.
Die ganze Messfeier mit Wortgottesdienst und Eucharistiefeier ist im Grunde darauf angelegt, uns das Geheimnis der Erlösung vor Augen zu führen: wir Menschen nämlich sind schuldig geworden aneinander und gegenüber Gott. Ohne es verdient zu haben, sind wir aber durch den Opfertod und die Auferstehung Jesu Christi befreit worden von Sünde und Tod zu einem neuen erlösten Leben (vgl. Röm 3,23f).
Durch den Empfang der heiligen Kommunion in meine geöffneten Hände nehme ich diese Erlösungstat Christi ganz bewusst für mein Leben an. Ich stimme zu, dass ich aus eigener Kraft heraus nicht mein Heil schaffen kann, sondern dass ich der Selbsthingabe Christi am Kreuz und dessen Frucht – nämlich des Leibes des Herrn – bedarf, damit mein Leben gelingen kann.
Es kann helfen, wenn ich mir beim Gang von meinem Sitzplatz zum Ort der Kommunionausteilung die Szene des Mannes mit der verdorrten Hand vorstelle: Einmal saß ein Mann in der Synagoge, dessen Hand verdorrt war. Da sagte Jesus zu ihm: Steh auf und stell dich in die Mitte! Und er sagte zu dem Mann: Streck deine Hand aus! Er streckte sie aus und seine Hand war wieder gesund. (vgl. Mk 3,1-6) Tatsächlich begeben wir uns ja meistens ins Zentrum der Kirche, um unserem Herrn in der hl. Kommunion zu begegnen.
Ohne mich von anderen Dingen ablenken zu lassen, warte ich geduldig und gesammelt bis die Reihe an mich kommt. Der Priester oder Kommunionausteiler zeigt mir nun die Hostie mit den Worten: „Der Leib Christi“, worauf ich deutlich antworte: „Amen“, was heißt: Ja, so ist es. Es ist dies ein kleines Glaubensbekenntnis, eine Unterschrift, die ich gebe, um zu bestätigen, dass in diesem Brot, das jetzt auf meine Hände gelegt wird, Jesus Christus, der Sohn Gottes und Erlöser mit seiner heilenden und erlösenden Kraft gegenwärtig ist.
Dann soll der Gläubige ohne Hast am Orte des Empfanges oder nachdem er einen Schritt zur Seite getan hat mit der unterliegenden Hand die heilige Hostie zum Munde führen, keinesfalls im Gehen oder nach der Rückkehr zu seinem Platz. Bei der Darreichung der heiligen Kommunion in die Hand verlangt es die Ehrfurcht dem Sakrament gegenüber, dass der Kommunikant auch kleine Teilchen der Hostie, die auf seiner Hand liegen, zum Munde führt.
Wieder an meinem Platz angekommen konzentriere ich mich auf die Gegenwart Gottes in mir. Jetzt habe ich Zeit für ein stilles Gebet des Dankes, der Selbsthingabe und der Bitte. Ich kann an Zachäus denken, der seiner Freude über die Einkehr Jesu bei ihm Ausdruck gab, indem er sagte: „Herr, die Hälfte meines Vermögens will ich den Armen geben, und wenn ich von jemand zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück.“ Dann sagte Jesus zu ihm: „Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden, weil auch dieser Mann ein Sohn Abrahams ist.“ (Lk 19,8f)
Es ist ein sehr sinnvoller und verbreiteter Brauch, die Kinder, die noch nicht zur Kommunion gegangen sind, nach vorne mitzunehmen, damit ihnen ein Kreuz auf die Stirn gezeichnet wird, etwa mit den Worten: „Jesus segne dich!“ Um dem Kommunionausteiler deutlich anzuzeigen, dass das Kind noch nicht zur Ersten Hl. Kommunion gegangen ist, sollen die Eltern dieses anhalten, die Arme locker nach unten zu halten.
1. Nur eine Hand wird zum Kommunionempfang ausgestreckt.2 Mit einer Hand bin ich eben auch nur halb da, Gott gab dem Menschen schließlich zwei Hände. Wenn beide Hände wie oben beschrieben dem Kommunionausteiler hingehalten werden, so drückt das aus, dass ich mit meinem ganzen Wesen, mit meinem ganzen Körper da bin und offen bin, wenn Christus mir in der hl. Eucharistie begegnet. Nur eine geöffnete Hand erweckt den Eindruck, als habe man etwas vor Gott zu verbergen oder als wäre einem das nicht so wichtig. In manchen Kulturen stützt man beim Händeschütteln den rechten Arm durch den linken, vor allem bei der Begegnung mit einer Autorität. Das bedeutet eine Hochschätzung des Gegenübers und dass man sich ganz in diese Begegnung hineinbegibt.
2. Mit der Hand nach der Kommunion greifen.2 Es ist nicht korrekt, selber nach der Kommunion zu schnappen, so als könnte man sich die Frucht der Erlösung abpflücken. Wir müssen lernen, uns das Heil von Gott schenken zu lassen, es also als unverfügbare Gabe zu empfangen. Das drückt sich eben am besten in der Weise aus, wie es oben beschrieben ist.
3. Manche Gläubige halten die Hand, mit der sie die Hostie zum Mund führen wollen, zuoberst, so dass sie erst einmal den Herrenleib in die andere Hand schütteln müssen, um dann mit der freigewordenen Hand zu kommunizieren. Dies ist ein völlig unnötiges Manöver mit der Gefahr, dass Partikel oder die Hostie auf den Boden fallen. Halten Sie sich an die einfache Regel: Rechtshänder legen die linke Hand zu oberst und Linkshänder die rechte (vgl. Fußnote 1).
4. Falsche Distanz zum Kommunionausteiler. Manche Gläubige bleiben so weit entfernt stehen oder halten die Hände so tief und nah an ihrem Körper, dass der Kommunionsausteiler sich weit vorbeugen oder gar einen Schritt auf sie zugehen muss. Andere kommen so nahe, dass sie mit den Händen an die Hostienschale stoßen. Beides ist zu vermeiden. Richtig: Die Hände in Herzhöhe, eine Handlänge vor der Hostienschale als flache Schale hinhalten.
1 Für Linkshänder gilt dann das Umgekehrte, sofern sie gewohnt sind, mit der linken Hand die Nahrung zum Munde zu führen: Die rechte ausgestreckte und geöffnete Hand wird unterstützt von der linken.
2 Hier sind natürlich alle ausgenommen, die aufgrund körperlicher Bedingtheiten keine zwei Hände darreichen können.
Auszug aus seinem Buch: "Gott ist uns
nah - Eucharistie, Mitte des Lebens." Sankt Ulrich Verlag.
"Zunächst möchte ich sagen, dass beide Haltungen möglich sind und alle Priester darum bitten, die Toleranz zu üben, die eines jeden Entscheidung anerkennt; ich möchte darüber hinaus Sie alle bitten, solche Verträglichkeit zu üben und nicht den anderen zu verdächtigen, der sich zu einer bestimmten Form entschieden hat. Aber Sie werden fragen: Ist hier eigentlich Toleranz die rechte Antwort? Oder ist sie nicht bei diesem Allerheiligsten fehl am Platz? Nun, wiederum wissen wir, dass bis zum 9. Jahrhundert die Kommunion stehend in die Hand empfangen worden ist. Das muss gewiss nicht besagen, dass es immer so bleiben soll. Denn das Große und Schöne an der Kirche ist, dass sie reift, dass sie das Geheimnis tiefer begreift.
Insofern hat die neue Entwicklung [die Spendung der Kommunion direkt in den Mund], die nach dem 9. Jahrhundert begann, durchaus als Ausdruck der Ehrfurcht ihr Recht und ihre guten Gründe. Aber umgekehrt müssen wir doch auch sagen, dass unmöglich die Kirche 900 Jahre lang unwürdig die Eucharistie gefeiert haben kann. Wenn wir die Texte der Väter lesen, sehen wir, aus welchem Geist der Ehrfurcht heraus sie kommuniziert haben. Bei Cyrill von Jerusalem im 4. Jahrhundert finden wir einen besonderen schönen Text. Er schildert in seinen Taufkatechesen den Kommunikanten, wie sie es machen sollen. Sie sollen vorgehen, ihre Hände zum Thron bilden, die rechte auf die linke legen, damit sie ein Thron für den König sei und zugleich ein Kreuz darstelle. Um diesen symbolischen Ausdruck voller Schönheit und Tiefe geht es ihm: Die Hände des Menschen bilden das Kreuz, das zum Thron wird, in das sich der König hineinbeugt.
Die ausgestreckte, geöffnete Hand kann so zum Zeichen dafür werden, wie der Mensch sich dem Herrn entgegenhält, seine Hände öffnet für ihn, damit sie Werkzeug seiner Nähe, Thron seiner Erbarmungen in dieser Welt werden. Wer dies bedenkt, wird erkennen: Hier ist es falsch, um diese oder jene Haltung zu streiten. Streiten müssen und dürfen wir allein um das, worum die Kirche vor und nach dem 9. Jahrhundert gerungen hat, nämlich um die Ehrfurcht des Herzens, die sich vor dem Geheimnis des Gottes beugt, der sich in unsere Hände legt. Wir sollten dabei nicht vergessen, dass nicht nur unsere Hände unrein sind, sondern unsere Zunge auch und unser Herz auch, und dass wir mit der Zunge oft mehr sündigen als mit den Händen. Das größte Wagnis und zugleich Ausdruck für die erbarmende Güte Gottes ist es, dass nicht nur Hand und Zunge, sondern unser Herz ihn berühren darf. Dass der Herr in uns eintritt und in uns, mit uns leben, von innen her Mitte unseres Lebens und seine Verwandlung werden will."
Die Frage, ob der Empfang der Kommunion mit der Hand oder mit dem Mund das Richtige ist, gerät immer wieder zu einer Streitfrage, um die mit ideologischem Eifer gerungen wird. Es ist jedenfalls sicher, dass Jesus beim Letzten Abendmahl gemäß jüdischem Mahlbrauch das Brot nahm, es brach und es den Jüngern in die Hände austeilte. Zu beachten ist, dass die Stücke des Fladenbrotes sicher auch nicht mit einem Mal hätten heruntergeschluckt werden können.
Bis ins 9. Jahrhundert war es allgemeiner Brauch, den Gläubigen das gebrochene eucharistische Brot in die Hand zu legen. Die Spendung der Kommunion in den Mund entstand erst im Frühmittelalter aus der Furcht, anhaftende kleine Krumen oder Brösel könnten herabfallen und so verunehrt werden. Es handelt sich also um eine Anpassung des Ritus aus Gründen der Vorsicht und Ehrfurcht ohne jede andere theologische Bedeutung hinsichtlich der Speisung.
Oft wird heute als Argument angeführt, dass die Hände unwürdig wären, den Leib des Herrn in Empfang zu nehmen. Demgegenüber müssen wir uns mit unmissverständlicher Klarheit deutlich machen, dass sich Jesus nicht scheut bei „unwürdigen“ Sündern einzukehren (vgl. Lk 19,1-10: Zachäus, Mt 9,9-13: Levi-Matthäus) und dass er und die Jünger sich nicht einmal vor dem Mahl die Hände wuschen, wie es Brauch der Pharisäer war (Mt 15,2). Natürlich sind die Hände unwürdig, eine solch unfassbare Gabe wie den Erlöser der Welt zu empfangen, aber ist nicht die Zunge und ist nicht unser ganzer Mensch gleichermaßen unwürdig? Und doch ist es die Freude des Herrn, gerade bei uns unwürdigen Dienern einzukehren (vgl. Mt 10,18; Mk 2,17).
Ob die Zunge ein würdigeres Teil des Menschen ist, müssen wir zudem mit dem Jakobusbrief aufs Stärkste bezweifeln (Jak 1,26; 3,6): „Wer meint, er diene Gott, aber seine Zunge nicht im Zaum hält, der betrügt sich selbst und sein Gottesdienst ist wertlos.“ „Die Zunge ist ein Feuer, eine Welt voll Ungerechtigkeit. Die Zunge ist der Teil, der den ganzen Menschen verdirbt und das Rad des Lebens in Brand setzt; sie selbst aber ist von der Hölle in Brand gesetzt.“
Hand- oder Mundkommunion - ist das eine besser als das andere? Von dieser Frage her ideologische Gräben aufzuwerfen und Andersdenkende als unwürdiger anzusehen, widerspricht direkt dem Geist der Eucharistie. Hat Jesus Christus nicht für seine Jünger gebetet (Joh 17,21): „Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.“ Setzen wir doch Gottes Wort nicht um unserer Bräuche willen außer Kraft! (vgl. Mt 15,6)
Sowohl bei der Mund- als auch bei der Handkommunion kann Ehrfurcht zum Ausdruck kommen. Wichtig ist es, demütig zu sein im Wissen um die eigene Sündhaftigkeit und die Freude zu erspüren, dass Jesus gerade bei mir, so wie ich bin, einkehren will, um mich zu heilen.
Niemand darf gegen seinen Willen zu einer bestimmten Form des Kommunionempfangs gezwungen werden: Die Deutsche Bischofskonferenz stellt es den Gläubigen frei, zwischen der Spendung in den Mund oder in die Hand zu wählen. Sie mögen jene Form wählen, die ihnen persönlich als größere Hilfe zum andächtigen Empfang des Herrenleibes erscheint. (Richtlinien der Deutschen Bischofskonferenz zur Kommunionspendung, 1.-4. März 1971)
Es ist eine Versuchung, wenn wir uns über Äußerlichkeiten, wie die Frage ob Mund- oder Handkommunion, in die Haare kriegen und dabei die große Aufgabe aus dem Blick verlieren. Es gibt große Herausforderungen, die unsere Zeit an alle stellt, die sich für die Nachfolge Jesu entschieden haben. Der Auftrag, Botschaft Gottes für die heutigen Menschen zu werden, erfordert alle Kraft und vereinte Entschlossenheit der christlichen Gemeinde, deshalb darf sie nicht ihr Blut und ihre Lebenskraft vergeuden, indem sich selbst Wunden schlägt.
Vielleicht können folgende zwei Gedanken Hilfe für eine neue Perspektive sein:
1. Jesus Christus hat sich nie vereinnahmen lassen von menschlichen Maßstäben, wonach die einen als würdig, die anderen aber als unwürdig gelten. Durch die Heilung und Rückgliederung von "Aussätzigen", d.h. von Menschen, die von der menschlichen Gemeinschaft wegen ansteckender Krankheiten ausgeschlossen und ausgestoßen waren, hat er gezeigt, dass sich Reich Gottes verwirklicht, wenn es keine Ausgestoßenen mehr gibt. Durch das gemeinsame Essen mit verrufenen Leuten hat er ein Zeichen setzen wollen: Für Gott gibt es keine verachteten oder geringerwertigen Menschen, denn er weiß, dass - manchmal zwar in hässlicher Verformung - in jedem sein eigenes Ebenbild schlummert, das nur darauf wartet, zur schönen Gestalt erweckt zu werden.
Frage: Wo erkenne ich in unserer heutigen Gesellschaft, in der Begegnung mit Menschen Formen von Ausgrenzung und Abwertung? Diese können manchmal sehr versteckt und subtil sein, sie treten oft nicht sichtbar vor's Auge, und doch können sie ungemein unser Handeln beeinflussen. Was kann ich also als wahrer Jünger, als wahre Jüngerin Jesu tun - in meinem Denken, Reden Tun - , um heute seine Botschaft der neuen, gleichberechtigten Menschenfamilie in Gott zu leben?
2. So wie das "auserwählte" Volk es lernen sollte, so muss auch die Kirche begreifen, dass die besondere Nähe zu Gott niemals als Privileg betrachtet werden darf, welches einem das Recht gäbe, andere als von Gott hintangesetzt oder gar verstoßen zu betrachten. Die Auserwählung durch Gott ist nicht Vorrecht, sondern vielmehr Auftrag. Gott nimmt sich mancher Menschen oder Gruppen besonders an, damit diese sich zum Zeugnis für alle Menschen umgestalten lassen. Dadurch will Gott letztlich alle Menschen erreichen, damit jedes seiner Geschöpfe gerettet wird und zu seinem Schöpfer heimfindet.
Frage: Wo sehe ich Möglichkeiten, dass Menschen außerhalb des Kirchenraumes durch meine Hilfe erfahren können, wie wertvoll sie in den Augen Gottes sind? Bin ich bereit, mich von Gott in Dienst nehmen zu lassen, damit andere - vielleicht auch mir fremde oder gar suspekte, unsympathische - Menschen von ihrer Befreiung in Christus erfahren?