Wenn es wahr ist, dass die
Bibel lebt, dann muss sie auch er-lebt werden können. |
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Aus der Glaubensperspektive |
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Ein Arbeiter war gerade auf
einer der in Japan üblichen Abendpartys, als er mit seinem Tischnachbarn in
Streit geriet. Unter dem Einfluss des reichlich genossenen Bieres wollte keiner
der beiden nachgeben, sie wurden immer lauter, und die Blicke aller waren schon
auf sie gerichtet. Schließlich gab der eine dem anderen eine schallende
Ohrfeige. Der Geschlagene holte instinktiv zum Gegenschlag aus. Doch da tauchte
plötzlich in seinem Gedächtnis ein Satz auf, den er irgendwo einmal gehört
hatte: "Wenn dich einer auf die eine Wange schlägt, halte ihm auch
die andere hin." (Lk 6,29)
Die Macht der Klarheit dieser Worte, verstärkt durch die dem Japaner anerzogene Scheu vor öffentlichen Auseinandersetzungen bewirkten, dass er zögernd seinen Arm sinken ließ. Er fühlte die Augen der Kameraden auf sich gerichtet und wurde verlegen. Nachdem er einige Sekunden still vor sich hingeschaut hatte, griff er kurz entschlossen nach seinem Mantel, murmelte eine Entschuldigung und ging hinaus.
Auf dem Heimweg
überkam ihn zuerst Scham über seine Feigheit. Aber je mehr er über dieses
plötzlich aufgetauchte Wort und sein Verhalten nachdachte, desto mehr zog
Frieden in ihn ein. Er begann nachzuforschen, woher dieses Wort kam, das ihn am
Zurückschlagen gehindert und diesen unverhofften Frieden geschenkt hatte. Er
stieß auf die Bibel, die er nun zu lesen begann. Fasziniert von diesem Wort
schloss er sich einer christlichen Gemeinde an. Eugen Rucker
Leicht geändert, entnommen aus: Steyler Verlag (Hg.). Die
Anregung. 4/2004, 56. Jahrgang: 262.
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Bei Jesaja lesen wir: „Kann
denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn? Und
selbst wenn sie ihn vergessen würde, ich vergesse dich nicht." (Jes
49,15)
Vielleicht sitzt da gerade eine junge Frau in der Gemeinde, die unter mancherlei Druck zu kämpfen hat, das Kind im Schoße zu behalten und nicht abzutreiben. Und erst kürzlich sagte mir ein Mann, dem man in seiner Kindheit brutal wissen ließ, dass er ein unerwünschtes Kind sei, - er sagte mir unter Tränen, dass er bei dieser Jesajastelle Trost und eine ganz neue Beziehung zu Gott gefunden hat. Bi. Helmut Krätzl
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In der Bibel mit ihrer bunten Vielfalt an Texten kommen
Dinge zur Sprache, die die Menschen aller Epochen und aller Schichten
ansprechen. Wenn vieles darin dem Menschen von heute allerdings fremd erscheint,
dann ist es vielleicht weniger der zeitliche Abstand zur Entstehung der Texte
als vielmehr der Verlust der Verbindung zur
eigenen Lebensentwicklung. In
einer Welt, die unter technisch-wissenschaftlichen und marktwirtschaftlichen
Prinzipien alles auf Höchstleistung trimmt, gerät die zarte Pflanze der
Innerlichkeit des Menschen nur allzu leicht unter die Räder.
Das Wort der Bibel ist die Oase, von der sich der Mensch, angezogen durch die Fata Morgana des Konsumglücks, immer weiter in die Sinn-Wüste entfernt. Und mit einem Mal schreckt er auf und fragt sich: „Was hat das alles eigentlich für einen Sinn. Was zählt wirklich im Leben?“
Angst und Hoffnungslosigkeit, Sinnleere und Enttäuschung, das sind Situationen, in denen sich auch die Menschen der Bibel wiederfinden. Wer sich diesen Geschichten anvertraut, der vertraut sich der Heilsgeschichte Gottes an. Wer den Mut hat, sich in seiner ausweglosen, verworrenen Situation neben die Jünger ins schwankende Boot auf der stürmischen See zu setzen, der wird auch das befreiende, erlösende Wort Christi für sich vernehmen und Frieden, der sein Leben erfüllen wird. (vgl. Mk 4,35-41) Th. Heck
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Demokratische Republik Kongo. Im August 1998 rebellierten die einstigen Verbündeten von Laurent Désiré Kabila, der dem Diktator Mobutu das Ende bereitet hatte. Sie begannen, das Land von verschiedenen Seiten her zu überrennen und standen am 26. August vor der Hauptstadt Kinshasa. Als Kaplan in einer der zahlreichen Pfarreien der Stadt stieß ich in diesen Stunden des Bangens auf Psalm 27, in dem es heißt: "Der Herr ist mein Licht, er befreit mich und hilft mir; darum habe ich keine Angst. Bei ihm bin ich sicher wie in einer Burg; darum zittere ich vor niemand. Wenn meine Feinde mich bedrängen, wenn sie mir voller Hass ans Leben wollen, dann stürzen sie und richten sich zugrunde. Mag ein ganzes Heer mich umzingeln, ich habe keine Angst. Auch wenn es zum Kampf kommt: ich bleibe ruhig." (V. 1-3, Gute-Nachricht-Übers.)
Ich spürte, wie in dieser
angespannten Situation innerer Trost und innere Ruhe aufstiegen. Als ich dann
diesen Psalm im Gottesdienst mit den Gläubigen teilte, da war es uns, als
spräche Gott uns ganz persönlich seinen Beistand zu, dass wir nichts zu
fürchten hätten. Eine Kraft und ein ungekanntes Leben gingen plötzlich von
diesen Worten aus, die sonst oft nur als blasse Zeilen dastanden.
Die Gefechte am
Flughafen wurden mit schweren Geschützen ausgetragen, Tausende von Menschen im
Ostteil der Stadt mussten fliehen, es gab Tote. Doch am 28. August wurden die
Rebellen erfolgreich in die Flucht geschlagen und die Stadt war befreit. - Gott
sei Dank! Er hat uns die Kraft gegeben, durchzuhalten, ja, er hat sein Wort wahr
gemacht, das er in einer kritischen Situation durch einen Psalm zu uns
gesprochen hatte. Th. Heck