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14 Tage neu finden Sie hier einen Kurzkommentar
zu Zeitgeschehen und Glaubensthemen.
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zu Lukas 12,27
Viele Menschen erwarten sich von ihrer
modischen Kleidung Bewunderung und das Gefühl dazuzugehören. Wer sich
dagegen von Gott angenommen erfährt, der wird zu einer strahlenderen
Erscheinung werden als die Models auf dem Laufsteg. Wahrscheinlich haben Sie ein wenig
gestutzt beim Titel dieses Bibelwortes. Kein Wunder, ich habe versucht,
zwei Anglizismen, die sich in die moderne deutsche Redeweise eingeschleust
haben, auf Einheimisch zu schreiben und in den Plural zu setzen: must-have
(dt.: muss man haben) und no-go (dt.: geht überhaupt nicht). Es gibt Dinge, die muss man nach der
aktuellen Mode einfach haben, einfach tragen (Must-haves), ob sie einem
persönlich gefallen oder nicht, ob sie praktisch und tauglich sind oder
nicht. Da kann es um das neueste Album einer Musikband gehen, um
zerschlissene und ausgewaschene Jeans oder um so etwas wie die Intimrasur.
Von bestimmten Gruppen werden sie zum Must-have erkoren und medienwirksam
verkündet. Damit erlangen die Dinge unangreifbaren Kultstatus und
entscheiden fortan darüber, ob jemand voll dabei ist und sich als
zugehörig betrachten darf oder nicht. Wer den Trend verschläft, muss Acht
geben, dass er nicht verspottet und ausgegrenzt wird. Es ist also klüger,
sich den Vorgaben des Mainstreams (der postulierte bzw. produzierte
Geschmack der Gesellschaftsmehrheit) zu fügen und mitzumachen. So wird z.B. auf einer Modeseite im
Internet verkündet, dass im Herbst der Karo Look zum absoluten Must-have
gehören wird. Dafür bietet das Haus, wie gerufen, eine brandneue
Kollektion an. Neben Handtaschen, Clutches (dt.: Damenhandtasche ohne
Riemen) und Geldbörsen im Karomuster, werden geschmackvolle Schals und
Hüte mit schicken Karos präsentiert. Sowohl für die Frau wie auch für den
Mann sind damit „trendstarke Mode-It’s“ (Modeartikel) bereitgestellt, die
sie wie ein Erkennungszeichen als dazugehörig ausweisen werden. Zitat:
„Wer also im Herbst modisch up to date (dt.: auf der Höhe) sein möchte,
ergänzt sein Outfit (dt.: seine Garderobe) um die schicken Karo
Highlights.“ Na also, da weiß man doch, wo man dran
ist! Wenn schon das Must-have als solches jede weitere Diskussion
erübrigt, weil es doch sagt: „Das musst du haben!“, dann erst recht das
„absolute Must-have“, wie auf besagter Webseite zu lesen. Hier wagt man
gar nicht mehr, auch nur einen fragenden Ausdruck in seinen Blicken
aufkommen zu lassen, sondern kauft gehorsam und schließlich doch für sein
eigenes Wohlergehen die angepriesene Ware. Damit hat man es dann wieder
für eine Weile geschafft dazuzugehören zu den Mainstreamern (dt.: Leute,
die den Must-haves folgen). Nicht genug damit, dass es die Must-haves
gibt, nein, da sind auch noch die No-gos (dt.: das geht überhaupt nicht).
Wenn die Must-haves positiv beschreiben, was man sich anschaffen muss, um
seiner selbstverschuldeten Ausgrenzung zu entgehen, so beschreiben die
No-gos im Negativen, was auf jeden Fall niemals getragen werden darf oder
welches Verhalten vermieden werden muss, will man es sich nicht gründlich
mit der menschlichen Rasse verderben. Zu solchen No-gos gehört z.B. das
Tragen von kurzer Hose in Verbindung mit Socken in Sandalen, gehören
Strass-Shirts bei Männern, Rechtschreibefehler in Bewerbungsschreiben und
Liebesbriefen usw. Eine andere Internetseite macht deutlich,
dass es hier beileibe nicht um Belanglosigkeiten geht: „Strandmode-Trends
unterliegen harten Wechseln, was heute noch „in” und sexy ist, kann morgen
schon völlig „out of style” sein. … Ob man am Strand Lacher oder Kracher
ist, entscheidet allein die Wahl der richtigen Bademode. Damit man nicht
zum Gespött im Urlaub, Freibad oder Baggersee wird, sollte man die
absoluten No-Gos dieses Sommers kennen.“ Also, immer schön auf die
angesagten Trends achten, sonst versammeln sich auf einmal Leute um dich
herum, tuscheln und lachen, und du weißt nicht warum; wäre doch peinlich. Sie merken, dass ich die Sache ziemlich
auf’s Korn nehme. Ich bin ja überhaupt nicht dagegen, sich schön und
ansprechend zu kleiden. Das Wichtigste dabei sollte aber doch sein, so
denke ich, dass es einem selber gefällt und dass man sich darin wohl
fühlt. Mit Überzeugung getragene Kleidung lässt den Menschen, der darin
steckt, sicher authentischer und strahlender wirken, als wenn man hinter
jedem Modetrend herläuft und anzieht, was angesagt ist, selbst wenn es für
die eigene Figur unvorteilhaft ist. Ich erinnere an die unsägliche Mode
der Leggins in den 1980-ern. Was fällt mir da im Blick auf die Bibel
ein? Ich muss an einen jungen Mann denken, der modisch wahrscheinlich alle
nur möglichen No-gos auf sich vereinigt hatte: Er stank nach Schweinen,
seine Kleider waren zerfetzt und schmutzig, er hatte keinen Cent in der
Tasche, war unrasiert und wirkte total ungepflegt. Das Überraschende:
trotz dieser Verwahrlosung erfuhr er völlige Annahme und Dazugehörigkeit.
Er wurde nicht nur nicht ausgegrenzt und verlacht, sondern er wurde sogar
zum Mittelpunkt eines großen und schönen Festes, wofür man ihm schicke
Kleider und schöne Schuhe anzog (vgl. Lk 15,11-32). Ganz normal ist das nicht. Zumindest was
das Verhalten der Menschen untereinander angeht. Für Gott aber ist es
offensichtlich normal. Er schaut nicht auf das Äußere, sondern liebt uns
als die Wesen, als die er uns erschaffen hat. Wenn wir das begreifen, dann
werden wir schöner gekleidet werden und erlangen eine herrlichere
Ausstrahlung als die Lilien (vgl. Lk 12,27). Dann wird es für uns keine
weiteren Must-haves mehr geben, als dieses eine: Immer mehr in lebendige
Verbindung zu dem zu kommen, der sein volles Ja zu uns bereits gesagt hat.
Nächster Kurzkommentar ab 1. Sep. 2010
© Thomas Heck
- Erstveröffentlichung auf www.steyler.org
(7:51 Min. - 3,7 MB)
Von Masthäfs und Nougous